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Muscheln und Granit

Die Rangerstation ist geschlossen. Mittagspause. Für uns heißt das, zwei Stunden warten, um eine Permit für den Park zu bekommen. Aber unser Frust ist nur von kurzer Dauer. Wir entdecken einen Zettel mit dem Hinweis auf die nächstgelegene Tankstelle. Dort soll es das geben, was wir begehren: eine Permit für den Whiteshell Provincial Park .  Der Name Whiteshell leitet sich von einer kleinen weißen Muschel (megis) ab. Vor Urzeiten hat ein See die gesamte Region bedeckt. Der See verschwand, doch die Muscheln sind geblieben. Noch heute findet man sie entlang der beiden Flüsse Whiteshell und Winnipeg. Am erstbesten Wanderparkplatz halten wir an und gehen los. Der schmale Pfad führt in den Wald. Die Luft ist angenehm kühl. Es geht über Stock und Stein, Mal rauf auf einen Granitrücken, Mal runter zu einem Fluss. Ich habe in den letzten Tagen so viel von Siedlern und Indianern gehört und gelesen, dass es mich nicht überraschen würde, jetzt ein York Boot oder ein Kanu zu sehen. Aber nur zwe...

W wie Winnipeg oder Whiteout

Meine erste Begegnung mit Winnipeg: der kalte Wind, der mir entgegen bläst als wir gegen sechs Uhr morgens den Bahnhof verlassen. Müde ziehe ich meine Kapuze tief ins Gesicht. Die majestätische Bahnhofshalle menschenleer, ein paar Autos auf der Straße, vereinzelte Fußgänger. Die Stadt muss noch wach werden, so wie wir. Ein warmes Frühstück soll nach der langen Zugfahrt unsere Lebensgeister wecken. Der nächste Coffee Shop ist unser. Am Nachbartisch sitzen drei Polizisten. Ob sie von der Nachtschicht kommen? Wenn ja, scheint es eine ruhige gewesen zu sein, alle sind bester Laune. Ich gähne in meine Kaffeetasse. Go Jets, Go Zwei Tage lassen wir uns durch die Stadt treiben. Winnipeg ist entspannt und wir sind es auch. Kein Verkehrschaos auf den Straßen, die Stadt ist sauber und hell. Okay, ganz entspannt ist Winnipeg dann doch nicht. Man ist im Eishockey-Fieber, denn die Winnipeg Jets spielen um den Einzug ins Halbfinale der Playoffs. Die unzähligen Fahnen, Leuchtreklamen und selbst g...

Unterwegs mit dem Canadian: Warten auf ...

Die Panorama Lounge der Toronto Union Station platzt aus allen Nähten. Wer jetzt noch kommt, muss auf einer der Fensterbänke oder auf dem Boden sitzen. Zwischen all den Reisenden schwirrt ein VIA Rail Mitarbeiter umher. Er redet auf die Leute ein und verteilt kleine, gelbe Märkchen. Irgendwann steht er vor uns. Er erklärt uns etwas von rollierenden Essenszeiten, dass jeder Mal früher oder später essen gehen müsse. Fairness geht in Kanada vor, auch bei den Mahlzeiten! Das Essen scheint also gesichert zu sein. Leider weiß niemand, wann der Zug abfährt. Eigentlich hätte es gestern Abend schon losgehen sollen, aber es gab Probleme auf der Strecke, so die Information von VIA Rail. Wir stecken unsere Essensmarken ein, machen es uns in unseren Sesseln wieder bequem und warten. Es ist für mich nicht ersichtlich wieso, aber es kommt Bewegung in die Menge. Wir folgen der Masse Richtung Untergeschoss. Vor dem Aufgang zum Bahnsteig gibt es für jeden ein Lunchpaket und eine Wasserflasche. Irritier...

Kann ich bitte zurück in meine Komfortzone!

„Du musst die Einfassung und das Paddel greifen.“ ruft mir Michael, unser Guide, mit deutlicher Betonung auf dem 'und' zu. Ich habe das Kajak zwischen meinen Beinen und starre auf den Sitz, der genau unter mir ist. Das Paddel liegt am hinteren Rand der Öffnung quer über dem Boot. Meine Hände greifen hinter meinen Rücken. Langsam lasse ich mich herab sinken bis mein Po die Einfassung berührt. Vorsichtig verlagere ich mein Gewicht auf den linken Fuß und hebe den rechten ins Boot. Schnell ziehe ich das linke Bein nach. Stolz sitze ich im Kajak. Michael nickt mir anerkennend zu. „Hey, das klappt ja super! Gleich im Wasser machst du das genauso.“ Betreten schaue ich auf den Sand vor mir und dann hinaus aufs Meer. Zwei Monate habe ich mich erfolgreich vor einer Kajaktour gedrückt. Mal war es mir zu kalt, mal zu windig. Jetzt sitze ich am Strand von Ganges mit einem Paddel in der Hand und bin mir unsicher wie ich das verdammte Ding halten soll. Allein der Gedanke, fest verschnürt in ...